Über das DMW-Projekt

Kurzbeschreibung

Der DMW – ein digitaler dynamischer sprechender Sprachatlas

Der Dialektatlas Mittleres Westdeutschland (DMW) ist ein auf 17 Jahre angelegtes Projekt (Start: 2016), in dem die systematische Erhebung sowie Auswertung und Interpretation von Dialekten bzw. standardfernsten Sprechweisen zweier Sprechergenerationen im mittleren Westdeutschland (Nordrhein-Westfalen und Teile von Niedersachsen und Rheinland-Pfalz) auf phonetisch-phonologischer, morphologischer, syntaktischer und lexikalischer Ebene durchgeführt wird.

Der DMW ist digital: dialektale Sprache wird computergestützt erhoben, weiterverarbeitet und in einer komplex strukturierten Datenbank abgelegt. Er ist dynamisch, da den Nutzern dialektale Information browsergesteuert in Form von Karten präsentiert wird, die erst auf die Anfrage hin anhand einer Datenbankrecherche erzeugt werden. Er ist sprechend, da die digitalen Aufnahmen dialektaler Ausdrücke durch Mausklick in einer Karte abrufbar sein werden.

Der DMW wird im Rahmen des Akademienprogramms der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften gefördert.

 

Logo der AWK
Beteiligt am DMW sind die Universitäten Bonn, Münster, Paderborn und Siegen. Logos der beteiligten Unis

Erhebungsgebiet

Der Bereich der Erhebungen für den DMW

In Bezug auf das Gebiet der dialektalen Erhebung umfasst der DMW neben Westfälisch, Niederfränkisch und Ripuarisch auch kleinere Gebiete des Moselfränkischen, Mittel- bzw. Zentralhessischen sowie des Ostfälischen.

Um den ältesten Sprachgebrauch zu erfassen, werden in den nächsten Jahren in über 1000 Orten (bis 8.000 Einwohner) pro Ort jeweils zwei Personen der ältesten Generation (ab 70 Jahre) befragt. Um auch den Sprachwandel zu dokumentieren, werden in etwa der Hälfte der Orte zusätzlich auch jeweils zwei Personen der jüngeren Generation (30 bis 40 Jahre). Als Grundlage für die Erhebungen dient ein Fragebuch mit ca. 800 Aufgaben.

Durch Neuerhebungen in über 1000 Orten sollen die bisher noch nicht durch moderne Sprachatlanten erfassten maximal standardfernen Sprachvarietäten in Nordrhein-Westfalen (auf Dialekte bezogen neben Westfälisch, Niederfränkisch und Ripuarisch auch kleinere Gebiete Moselfränkisch, Mittel- bzw. Zentralhessisch und Ostfälisch) sowie im Südwesten von Niedersachsen (Westfälisch) und im Norden von Rheinland-Pfalz (Moselfränkisch) systematisch und umfassend kartographisch dokumentiert werden (phonetisch-phonologisch, morphologisch, syntaktisch, lexikalisch). Die folgende Karte zeigt den relevanten geografischen Bereich samt Großdialektgebieten (nach Wiesinger, aus REDE SprachGIS).

DMW-Gebiet und Dialekte der Wiesingerkarte
Abbildung 1: Das DMW-Gebiet: Dialektale Einordnung (nach Wiesinger 1983)

Forschungskontext

Sprachatlasprojekte in Deutschland

Geographisch und auch methodisch schließt der DMW an wichtige existierende Atlasprojekte an. Das von Sprachatlanten abgedeckte Gebiet wird somit im Westen Deutschlands südlich der Benrather Linie um das Mitteldeutsche ergänzt und nördlich der Benrather Linie um wesentliche Teile des Niederdeutschen erweitert.

DMW-geografisch
Abbildung 2: Sprachatlasprojekte in Deutschland (Quelle: Leibnizinstitut für Länderkunde, Nationalatlas aktuell, s. http://aktuell.nationalatlas.de/Dialektraeume.9_08-2008.0.html)

Legende:

Linien
blaue Linie = Grenzen des DMW-Gebiets
rote Linie = Benrather Linie (nördlich davon niederdeutsche Dialekte, südlich davon hochdeutsche bzw. mitteldeutsche und oberdeutsche Dialekte)
rot gestrichelte Linie = Speyerer Linie (nördlich davon bis zur Benrather Linie mitteldeutsche Dialekte, südlich davon oberdeutsche Dialekte)
schwarze Linien = Sprachatlasgrenzen
grüne Linien = Bundeslandgrenzen
Abkürzung Titel
MRhSA Mittelrheinischer Sprachatlas. Einführung (1994). 5 Bde. (1994-2002)
SBS Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben. 14 Bde. (1996-2009)
SMF Sprachatlas von Mittelfranken. 8 Bde. (2003-2014)
SNBW Sprachalltag in Nord-Baden-Württemberg.
SNiB Sprachatlas von Niederbayern. 7 Bde. (2003-2010)
SNOB Sprachatlas von Nordostbayern. Einführung (2014), Bd. 1 (2004)
SOB Sprachatlas von Oberbayern. Ergebnisband Sprachregion München (2005), 6 Bde. (2008-2011)
SSA Südwestdeutscher Sprachatlas. Einleitung zu Teil I (1993), zu Teil II (1998). Lfg. 1-10 (1989-2010); Kommentare zu Lfg. 1ff. (1997ff.)
SUF Sprachatlas von Unterfranken. 6 Bde. (2005-2008)
SyHD Syntax hessischer Dialekte.
ThürDA Thüringischer Dialektatlas. 2 Kartenlieferungen mit Textbänden (1961, 1965)

Kooperationen

Kooperationspartner des DMW-Projekts

Institute und Zentren

Verbände

Sprachatlanten

  • Bayerischer Sprachatlas (BSA)
  • Luxemburgischer Sprachatlas (LuxSA)
  • Sprachalltag in Nord-Baden-Württemberg (SNBW)

Projekte

  • Korpus der gesprochenen Sprache im Ruhrgebiet (KgSR)/Linguistische Datengewinnung und Datenanalyse am Beispiel des Ruhrdeutschen (LinDA) (Projektleiterin: Dr. Kerstin Kucharczik)
  • Metropolenzeichen: Visuelle Mehrsprachigkeit in der Metropole Ruhr (Hauptantragstellerin: Prof. Dr. Evelyn Ziegler)
  • Sprachen im Ruhrgebiet (Projektleiter: Prof. Dr. Gerald Bernhard, Prof. Dr. Franz Lebsanft)
  • Sprachvariation in Norddeutschland (SiN) (Sprecherin: Prof. Dr. Ingrid Schröder)

Einzelpersonen

  • Prof. Dr. Peter Auer, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Direktor der Forschungsstelle Sprachvariation in Baden-Württemberg
  • Prof. Dr. Peter Gilles, Universität Luxemburg, Gründungsdirektor des Instituts für luxemburgische Sprach- und Literaturwissenschaft
  • Prof. Dr. Jörg Peters, Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, Professor für Germanistische Linguistik, Linguistische Pragmatik und Soziolinguistik/Niederdeutsch
  • Prof. Dr. Stephan Elspaß, Universität Salzburg, Professor für Germanistische Linguistik