Projektbeschreibung

Ziele

Ziele des DMW-Projekts

Der DMW ist ein Dialektatlas. Er erfasst, welche dialektalen bzw. dialektnahen Varietäten im mittleren Westdeutschland gegenwärtig existieren und beschreibt diese in ihren wichtigen Eigenschaften. Dabei handelt es sich um dialektnahe Varietäten des Hochdeutschen, genauer des Mitteldeutschen, oder v.a. auch um Varietäten des Niederdeutschen („plattdeutsche“ Varietäten), die im DMW-Gebiet dominieren. Die erhobenen Daten werden auf phonetisch-phonologischer, morphologischer, syntaktischer sowie lexikalischer Ebene systematisch aufbereitet, analysiert und dokumentiert.

Um den Sprachwandel zu erfassen, werden Daten zweier Generationen erhoben. Dies sind die Generation der Sprecherinnen und Sprecher, die 70 Jahre und älter sind, sowie deren Kinder-/Enkelgeneration, also die heute 30- bis 40-Jährigen. Wir gehen davon aus, dass sich der stärkste Grad an Dialektalität in der älteren Generation findet, die Kinder- und Enkelgeneration Formen schwächerer Dialektalität zwischen Basisdialekt und Standardsprache verwenden. Dies betrifft v.a. das Niederdeutsche, das seit den 1950er Jahren nur selten noch an die Kinder weitergegeben wurde.

Verortung

Verortung des DMW-Projekts im Sprachatlasbereich

Das DMW-Projekt nutzt das Wissen und die Erfahrungen, die in bereits fertiggestellten bzw. sich in Arbeit befindlichen Sprachatlas-Projekten gesammelt werden konnten. Wir sind in engem Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, die an ähnlichen Projekten arbeiten bzw. gearbeitet haben.

Für die Arbeiten und insbesondere das Fragebuch des DMW-Projekts, das ca. 800 Aufgaben enthält, sind v.a. der Mittelrheinische Sprachatlas (MRhSA), der Sprachatlas von Mittelfranken (SMF) (als Teil des Projekts Bayerischer Sprachatlas (BSA)), der Atlas zur Syntax hessischer Dialekte (SyHD) und der Siegerländer Sprachatlas (SiSal) wichtig. Auch der Norddeutsche Sprachatlas (NOSA) (als Teil des Projekts Sprache in Norddeutschland (SiN)), der zwar eine andere variationslinguistische Zielstellung verfolgt, dessen Erhebungsgebiet sich aber mit dem des DMW überschneidet, ist für den Vergleich relevant.

Struktur

Struktur des Vorgehens

Das DMW-Gebiet umfasst – politisch gesehen – ganz Nordrhein-Westfalen mit seinen fünf Regierungsbezirken sowie das südwestliche Niedersachsen und das rechtsrheinische Gebiet von Rheinland-Pfalz. Es unterteilt sich in vier Areale, für die jeweils ein Projektstandort zuständig ist. Bei der Bestimmung der Areale wurde darauf geachtet, dass sich die Grenzen nicht mit mutmaßlichen Dialektgrenzen decken.

DMW-Gebiet auf Wiesingerkarte
Abbildung 1: Die vier Areale des DMW-Gebiets auf der Wiesingerkarte

Insgesamt werden über 1000 Orte untersucht, die sich gleichmäßig über das DMW-Gebiet verteilen. Es handelt sich dabei zwecks Vergleichbarkeit um Orte, die u.a. bereits im Wenker-Atlas, dem historischen Referenzwerk der dialektologischen Forschung, berücksichtigt worden sind. Auf diese Weise wird eine Analyse und Nachnutzung der Daten möglich, die auch projektübergreifende, vergleichende Analysen erlaubt.

In allen Orten werden jeweils zwei Personen der älteren, mutmaßlich dialektkompetentesten Generation (70 Jahre und älter) befragt. In 40% dieser Orte werden zudem jeweils zwei Befragungen mit Personen der Kinder- bzw. Enkelgeneration durchgeführt.

Methodik

Methodik des Vorgehens

In methodischer Hinsicht arbeitet der DMW vor allem mit direkten Befragungen durch Explorator*innen. Ergänzend wird durch Aufgaben das subjektive Wissen der Sprecher*innen über ihre mentalen Dialektkarten und damit auch über Dialektgrenzen („mental maps“) erhoben. Auch wird jeweils eine freie spontansprachliche Äußerungssequenz aufgezeichnet.

Das den Erhebungen zugrunde liegende Fragebuch lehnt sich zwecks Vergleichbarkeit eng an die Fragebücher des Mittelrheinischen Sprachatlasses (MRhSA), des Sprachatlasses von Mittelfranken (SMF) sowie des Projekts Syntax hessischer Dialekte (SyHD) an, ist aber an die besonderen Eigenschaften der Varietäten im DMW-Gebiet angepasst. Es umfasst ca. 800 Aufgaben, die so ausgewählt wurden, dass sie eine umfassende Beschreibung wichtiger phonetisch-phonologischer, morphologischer, syntaktischer und lexikalischer Eigenschaften der dialektnahen Varietäten im Untersuchungsgebiet ermöglichen.

Der DMW setzt im Rahmen der Erhebung, der Auswertung und des Datenbankmanagements digitale Technik umfassend ein. Die erhobenen Daten werden unter Nutzung neuester phonetischer Technik weiterverarbeitet und – unter Berücksichtigung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen – in eine langfristig verfügbare digitale Datenbank übertragen, so dass sie dialektologisch umfassend ausgewertet werden können und optimal nachnutzbar sind. Erste Ergebnisse werden in Form kartografischer Darstellungen zeitnah der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich gemacht.