Über das DMW-Projekt

Kurzbeschreibung

Der Dialektatlas Mittleres Westdeutschland (DMW)

Ein digitaler, dynamischer, sprechender Sprachatlas

Der Dialektatlas Mittleres Westdeutschland (DMW) ist ein auf 17 Jahre angelegtes Projekt (Beginn 2016), das an den Universitäten Bonn, Münster, Paderborn und Siegen durchgeführt wird.

Ziel ist die systematische Erhebung sowie Auswertung und Interpretation von Dialekten bzw. standardfernsten Sprechweisen in Nordrhein-Westfalen und Teilen von Niedersachsen und Rheinland-Pfalz auf phonetisch-phonologischer, morphologischer, syntaktischer und lexikalischer Ebene.

Der DMW ist

digital: Die dialektalen Ausdrücke werden computergestützt erhoben, weiterverarbeitet und in einer Datenbank detailliert erfasst sowie abgelegt.
dynamisch: Viele Karten werden direkt auf gezielte Anfragen der Nutzer*innen hin erzeugt.
sprechend: Ein Großteil der digitalen Aufnahmen dialektaler Ausdrücke sind durch Mausklick in einer Karte abrufbar.

Zeitplan
2016-2018 Konzeptionsphase inkl. Ersterhebungen
2018-2025 Haupterhebungsphase inkl. Previewkarten
2025-2031 Auswertungsphase inkl. erläuterter Karten
2031-2032 Publikationsphase Druckversion „Kleiner DMW“

Der Dialektatlas Mittleres Westdeutschland (DMW) wird seit 2016 im Akademienprogramm des Bundes und der Länder gefördert und durch die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste betreut.

Erhebungsgebiet

Das Erhebungsgebiet

In Bezug auf das Gebiet der dialektalen Erhebung umfasst der DMW neben Westfälisch, Niederfränkisch und Ripuarisch auch kleinere Gebiete des Moselfränkischen, Mittel- bzw. Zentralhessischen sowie des Ostfälischen.

Um den ältesten Sprachgebrauch zu erfassen, werden in den nächsten Jahren in ca. 1000 Orten (bis ca. 8.000 Einwohner) pro Ort jeweils zwei Personen der ältesten Generation (i. Allg. über 70 Jahre) befragt. Um auch den Sprachwandel zu dokumentieren, wird in ausgewählten Orten zusätzlich eine Befragung mit zwei Personen der jüngeren Generation (ca. 30 bis 45 Jahre) durchgeführt. Als Grundlage für die Erhebungen dient ein Fragebuch mit ca. 800 Aufgaben.

Durch die Neuerhebungen sollen die bisher noch nicht durch moderne Sprachatlanten erfassten maximal standardfernen Sprachvarietäten in Nordrhein-Westfalen (auf Dialekte bezogen neben Westfälisch, Niederfränkisch und Ripuarisch auch kleinere Gebiete Moselfränkisch, Mittel- bzw. Zentralhessisch und Ostfälisch) sowie im Südwesten von Niedersachsen (Westfälisch) und im Norden von Rheinland-Pfalz (Moselfränkisch) systematisch und umfassend kartographisch dokumentiert werden (phonetisch-phonologisch, morphologisch, syntaktisch, lexikalisch). Die folgende Karte zeigt den relevanten geografischen Bereich samt Großdialektgebieten (nach Wiesinger, aus REDE SprachGIS).

DMW-Gebiet und Dialekte der WiesingerkarteAbbildung 1: Das DMW-Gebiet: Dialektale Einordnung (nach Wiesinger 1983)

Forschungskontext

Sprachatlasprojekte in Deutschland

Geographisch und auch methodisch schließt der DMW an wichtige existierende Atlasprojekte an. Das von Sprachatlanten abgedeckte Gebiet wird somit im Westen Deutschlands südlich der Benrather Linie um das Mitteldeutsche ergänzt und nördlich der Benrather Linie um wesentliche Teile des Niederdeutschen erweitert.

Abbildung 2: Schmidt, Jürgen Erich, Antje Dammel, Heiko Girnth & Alexandra N. Lenz (2019): Sprache und Raum im Deutschen: Aktuelle Entwicklungen und Forschungsdesiderate. In: Joachim Herrgen und Jürgen Erich Schmidt (Hrsg.), Sprache und Raum. Ein internationales Handbuch der Sprachvariation. Band 4: Deutsch. Berlin/Boston: De Gruyter Mouton (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 30.4). S. 31.

Legende:

Linien
rote Linien = Sprachatlasgrenzen
Abkürzung Titel
ADT Atlas der deutschen Mundarten in Tschechien (2014 ff.)
ALA Atlas linguistique et ethnographique de l‘ Alsace (1969/1984)
ALLG Atlas linguistique et ethnographique de Lorraine Germanophone (1977)
DHSA Digitaler Hessischer Sprachatlas 
DMW Dialektatlas Mittleres Westdeutschland (2016-2032)
MRhSA Mittelrheinischer Sprachatlas. Einführung (1994). 5 Bde. (1994-2002)
SAO Sprachatlas von Oberösterreich (1998-2010)
SBS Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben. 14 Bde. (1995-2009)
SDS Sprachatlas der deutschen Schweiz (1962-1997)
SMF Sprachatlas von Mittelfranken. 8 Bde. (2003-2014)
SNBW Sprachalltag in Nord-Baden-Württemberg. (2015 ff)
SNiB Sprachatlas von Niederbayern. 7 Bde. (2003-2010)
SNOB Sprachatlas von Nordost-Bayern. Einführung (2014), Bd. 1 (2004 ff.)
SOB Sprachatlas von Oberbayern. Ergebnisband Sprachregion München (2005), 6 Bde. (2008-2011)
Sprachatlas für Rügen und die vorpommersche Küste (Herrmann-Winter, 2013)
SSA Südwestdeutscher Sprachatlas. Einleitung zu Teil I (1993), zu Teil II (1998). Lfg. 1-10 (1989-2010); Kommentare zu Lfg. 1ff. (1997), (1989-2012)
SUF Sprachatlas von Unterfranken. 6 Bde. (2005-2009)
SyHD Syntax hessischer Dialekte.
TirolSA Tirolischer Sprachatlas (1965-1971)
ThürDA Thüringischer Dialektatlas. 2 Kartenlieferungen mit Textbänden (1961, 1965)
VALTS Vorarlberger Sprachatlas mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein, Westtirols und des Allgäus (1985-2017)

Kooperationen

Kooperationspartner des DMW-Projekts

Institute und Zentren

Verbände

Sprachatlanten

  • Bayerischer Sprachatlas (BSA)
  • Luxemburgischer Sprachatlas (LuxSA)
  • Sprachalltag in Nord-Baden-Württemberg (SNBW)

Projekte

  • SFB DiÖ (FWF Spezialforschungsbereich (SFB) „Deutsch in Österreich. Variation – Kontakt – Perzeption“ (F 60), SFB-Sprecherin: Prof. Dr. Alexandra N. Lenz)
  • Korpus der gesprochenen Sprache im Ruhrgebiet (KgSR)/Linguistische Datengewinnung und Datenanalyse am Beispiel des Ruhrdeutschen (LinDA) (Projektleiterin: Dr. Kerstin Kucharczik)
  • Metropolenzeichen: Visuelle Mehrsprachigkeit in der Metropole Ruhr (Hauptantragstellerin: Prof. Dr. Evelyn Ziegler)
  • Sprachen im Ruhrgebiet (Projektleiter: Prof. Dr. Gerald Bernhard, Prof. Dr. Franz Lebsanft)
  • Sprachvariation in Norddeutschland (SiN) (Sprecherin: Prof. Dr. Ingrid Schröder)

Einzelpersonen

  • Prof. Dr. Peter Auer, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Direktor der Forschungsstelle Sprachvariation in Baden-Württemberg
  • Prof. Dr. Peter Gilles, Universität Luxemburg, Gründungsdirektor des Instituts für luxemburgische Sprach- und Literaturwissenschaft
  • Prof. Dr. Jörg Peters, Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, Professor für Germanistische Linguistik, Linguistische Pragmatik und Soziolinguistik/Niederdeutsch
  • Prof. Dr. Stephan Elspaß, Universität Salzburg, Professor für Germanistische Linguistik